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Redebeitrag zum Tag der Pflege

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Redebeitrag von Sebastian Rave, Aktivist des Bündnisses "Mehr Personal in den Krankenhäusern", zum Tag der Pflege:

"Liebe Kolleg*innen und Kollegen,

in den letzten Wochen haben viele gesagt, dass ihr Heldinnen und Helden seid.
Ich habe von vielen Pflegekräften gehört, dass sie sich mit der Bezeichnung nicht anfreunden können.
Für viele hört es sich an nach einem Spruch, mit dem die Politik billig wegkommt.
Was nützt ein Ehrentitel, von dem man sich nichts kaufen kann?
Wenn man danach wieder unterbesetzt über die Station rennen muss?
Von einem Patienten zum anderen hetzt, und keine Zeit hat, sich selbst zu erholen, auf seine eigene Gesundheit zu achten?

Wenn ihr Helden und Heldinnen seid, dann welche des Alltags.
Das heisst aber auch, dass ihr mehr verdient.
Deswegen fordern wir einen Zuschlag von 1500 Euro und dauerhaft 500 Euro mehr Gehalt!

Viele fühlen sich aber eher als Geisel der schlechten Arbeitsbedigungen im Krankenhaus.
Kolleginnen haben mir davon erzählt, wie sie teilweise über mehrere Schichten die gleiche Maske tragen mussten, bis sie "durchgefeuchtet" war.
Und warum? Weil bei der Schutzausrüstung, wie bei allem, gilt: Hauptsache billig.
Wie in einer Fabrik gibt es eine Just-in-Time Lieferung von Ausrüstung, damit man ja nichts lagern muss.
Das ist in Normalzeiten schon gefährlich. In einer Pandemie ist das tödlich.
Es braucht ausreichend und gute Schutzausrüstung für alle,  und nicht erst zwei Monate nach dem Beginn der Krise!

Jens Spahn hatte am Anfang der Krise gesagt, das deutsche Gesundheitssystem sei gut vorbereitet.
Daran merkt man, dass der Bankkaufmann und Pharmalobbyist noch nie im Krankenhaus gearbeitet hat.
Er hatte sich ja die Pflege-Personal-untergrenzen-verordnung ausgedacht, die den Personalmangel nur in ganz wenigen Bereichen angeht, in den meisten Bereichen aber zementiert.
Wir haben vor zwei Jahren 11.000 Unterschriften für mehr Personal im Krankenhaus gesammelt.
Aber das Gericht hat entschieden, dass es mit Spahns Verordnung schon eine bundesweite Regelung gibt, und Bremen deswegen nichts machen kann.
Das heisst: Wir müssen Druck machen für eine bundesweite gesetzliche Personalbemessung orientiert am tatsächlichen Bedarf - aber auch in den Tarifverhandlungen Druck machen, es gibt nämlich mittlerweile eine ganze Reihe von Häusern mit einem Entlastungstarifvertrag, wird Zeit, dass sowas auch in Bremen erreicht wird!

Ein Grund für den Personalmangel ist auch, dass im Krankenhaus schon lange die Profitlogik ausgebrochen ist.
Das ist die schlimmste Seuche von allen.
Weil es bedeutet, dass Patienten am Fließband behandelt werden, so schnell wie möglich, so billig wie möglich, so viele Fallpauschalen abgerechnet wie möglich.
Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, gesund wird man nicht auf dem Fließband, sondern im Bett!
Ein Krankenhaus ist keine Fabrik, hier hat Profit nichts zu suchen!
Das Gesundheitswesen ist Teil der Daseinsvorsorge und gehört in die öffentliche Hand, ordentlich ausfinanziert und demokratisch kontrolliert.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir stehen hier mit Abstand zueinander, aber wir stehen zusammen.
Stehen wir zusammen ein für ein bedarfsorientertes Gesundheitssystem, wo die Menschen gerne arbeiten, weil die Arbeitsbedingungen gut sind, und wo Patienten vielleicht nicht gerne ins Krankenhaus gehen, aber zumindest keine Angst haben müssen.
Solidarität!"

Zu den Arbeitsbedingungen in der Pflege gibt es hier noch einen Kommentar von Susanne Ferschl für die Bundestagsfraktion: Mehr