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Wilfried Schartenberg

Aktion gegen prekäre Arbeitsbedingungen bei Gorillas und co

Heute am Freitag den 13.August haben wir uns mit einem Flash Mob an Protesten gegen die prekären Arbeitsbedingungen unseres neuen Nachbarn im Buntentorsteinweg 113, den Lieferdienst Gorllas ausgesprochen. Initiert wurde die bundesweite Kampagne von der Aktisongruppe "Arbeitsunrecht.de".

 


Zur Bremer Beteiligung am bundesweiten Aktionstag FREITAG, 13. der Aktion Arbeitsunrecht

Wir treffen uns hier ziemlich spontan zu einem Flashmob mit Schweinekostümen, Plakaten, Flugblättern vor dem Warenhaus der Gorillas. Wir haben wahrgenommen, dass dieses vor wenigen Wochen an dieser Stelle eröffnet worden ist.

 

Wer sind wir: das ist eine Gruppe von Menschen, denen die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten bei den Lieferdiensten von Gorillas, Lieferando/Just eat, Flaschenpost oder vielen anderen nicht gleichgültig sind. Nachdem wir aus Berlin gehört haben, welche Zustände dort entgegen den blumigen Versprechungen auf der Website von Gorillas herrschen, möchten wir dazu beitragen, dass hier in Bremen gleich zu Beginn der Aktivitäten von Gorillas Öffentlichkeit hergestellt wird und Arbeitsbedingungen verbessert werden.

 

Gorillas und Lieferando / Just eat sind Thema des heutigen bundesweiten Aktionstages der Aktion Arbeitsunrecht, die seit 2015 an jedem Freitag, 13. ein Unternehmen – dieses Mal sind es zwei – öffentlich bloßstellt, das sich durch besonders krasse Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten auszeichnet.

 

Wichtigste Probleme bei Gorillas und Lieferando/Just eat:

  • Lange 6-Monatige Probezeit - und danach weitere sachgrundlose und Ketten-Befristungen
  • Behinderung von Betriebsratsgründungen
  • Willkürliche Kündigungen
  • Gründung von Betriebsräten ermöglichen – Betriebsräte wirksam schützen
  • Ausrüstung und Reparaturen dürfen keine Privatsache sein
  • Transparente Lohnabrechnungen
  • Keine Totalüberwachung und Datenschutzprobleme wegen Zwang zur Nutzung von Privathandys.

 


Grußwort von Foodpanda-Beschäftigte zum #Freitag13 am 13. August 2021
 

Delivery Hero ist nach 2 Jahren nun wieder in neuem Gewand unterwegs um von Restaurants und Darkstores aus seine stark umkämpfte Kundschaft zu beliefern.
Bis 2019 fuhren die pinken Rucksäcke noch für den Lieferdienst Foodora. Erst vor gut zwei Jahren hatte das heute DAX- notierte Unternehmen Delivery Hero seine Essenslieferdienste Foodora, Lieferheld und Pizza.de für 930 Millionen Euro an den niederländischen Konkurrenten Just eat Takeaway verkauft. Die Marken waren daraufhin eingestampft und das Geschäft war in den Takeaway-Lieferdienst Lieferando integriert worden. Damit war Delivery Hero sein Deutschland-Geschäft auf einen Schlag los. Die Abmachung, nicht mehr auf dem deutschen Markt aktiv zu werden, ist inzwischen abgelaufen.

Die Zwangspause nutze Delivery Hero um seinen Asien Markt auszubauen. 2016 schluckte der Lieferdienst den aus Singapur stammenden Unternehmen Foodpanda, welches heute in über 50 Ländern, hauptsächlich im aisatischen Raum vertreten ist.
Im Gegensatz zu Quick Commerce- Dienstleister wie Gorillas und Flink ist Delivery Hero nicht erst in der Coronakrise groß geworden. Es ist bereits ein milliardenschweres, international agierendes Aktienunternehmen, das hier ausdrücklich was vom Quick-Commerce-Kuchen abhaben will. Bestellen kann die Foodpanda-Kundschaft in Restaurants als auch aus kleinen Lagerbeständen wie man es von der Konkurrenz kennt.

Mit Delivery Heros Comeback im Pandakostüm ist mit einem äußerst expansivem und
investionsfreudigem Player auf dem absatzstarken, deutschen Markt zu rechnen. Es mag sinnvoll erscheinen, die Marktentwicklung und Prognosen gut im Auge zu behalten um besser einschätzen zu können was uns als ArbeitnehmerInnen und zugleich auch KonsumentInnen erwartet. Auf lange Sicht wird sich wohl nur ein Lieferdienst diesen riesigen Markt beherrschen.

Die Foodpanda FahrerInnen sind zunehmend untereinander vernetzt und das Quick-commerce Geschäftsmodell mit Belieferung aus Lagern hat den vorteilhaften Effekt, dass die FahrerInnen sich an den Darkstores wiedertreffen und somit besser austauschen und organisieren können.

Viele unserer Fahrerinnen hoffen auf mehr Transparenz bei der Lohnabrechnung, kein Aussetzen des Bonusprogramms in der Zukunft, gestelltes Equipment und Verbesserung im Arbeitsschutz.
Ein weiterer Kritikpunkt der unbedingt zu erwähnen ist , sind die verordneten Zwangspausen.

Wir wünschen den Kolleg*innen aller Lieferdienste eine sichere Fahrt!

 


Redebeitrag von Christian Gerlin

Egal ob Gorillas, Lieferando oder Foodora: Lieferdienste mit schlechten Arbeitsbedingungen und ungerechten Löhnen gibt es zuhauf. Das in Bremen jetzt ein neuer Gorillas-Standort aufmacht nervt mich. Gegen diesen Betrieb laufen aktuell Verfahren wegen Verstöße gegen geltendes Arbeitsrecht, Coronafälle häufen sich und Fahrer*innen erleiden schreckliche Unfälle, weil – wie so oft in diesem Arbeitsgebiet – die Sicherheit der Lieferant*innen an zweiter Stelle steht.

Doch Gorillas ist auch ein positives Beispiel: Aber natürlich nur bezogen auf die Beschäftigten. Der Frust über Arbeitsunrecht und ungerechte Löhne mobilisierte die Berliner Arbeiter*innen zur Gründung der „Gorillas Workers Collective“. Diese strebte auch eine Betriebsratsgründung an und fungiert darüber hinaus als starke Stimme der Arbeiter*innen. Damals behinderte das Unternehmen massiv das verbriefte Recht der Beschäftigten. Heutzutage – und das nur durch den gemeinsamen Kampf für gerechte Bedingungen! – ist die Gründung eines Betriebsrates leichter. Aber: Auch damals gelang es, durch einen gemeinsamen Kraftakt.

Doch nur mit einem Betriebsrat geben sich die Berliner Beschäftigten nicht zufrieden! In einem beeindruckenden Akt der Solidarität streikten 50 Lieferant*innen gegen die Kündigung eines Kollegen und für gerechte, faire und gute Arbeitsbedingungen. Diese Streiks häufen sich, der Widerstand mobilisiert sich und die Arbeiter*innen merken: „Gemeinsam sind wir stark!“ Eine Soziologin kommentierte das mit „Solidarität ist etwas gelebtes“ und ich sage: Was in Berlin funktioniert, funktioniert auch in Bremen! Lasst uns auch hier Solidarität leben! Mit den Gewerkschaften Verdi und der NGG haben die neue Beschäftigung von Gorillas gute Ansprechpartner*innen und einen starken Rückhalt. Auf die Unterstützung von meinem Genoss*innen aus der Linksjugend und auch der uns nahestehenden Partei kann auch gezählt werden! Lasst uns diese Solidarität leben! Für gute, gerechte und fair entlohnte Arbeit!

 

Weiterführende Links:

Arbeitsunrecht: Schwarzer Freitag

Analyse & Kritik: "Too fast too furious"

Analyse & Kritik: "No more Probezeit"

 

 


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