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LAG Linker Feminismus Bremen

Sexismus in der LINKEN? Was zu tun ist

Ein Leitfaden zur Sensibilisierung für ein solidarisches Miteinander ohne Sexismus und Queerfeindlichkeit. Dieser Leitfaden wurde von der LAG Linker Feminismus Bremen entwickelt.

 

Was ist Sexismus und Queer(feindlichkeit)?

Sexismus ist eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Wer aber denkt, dass auch Männer von Sexismus betroffen sein können, irrt. Zumindestens in dieser Welt. Denn Sexismus meint auch immer eine strukturelle Diskriminierung und in unserer Gesellschaft ist die Abwertung von Frauen tief verankert. Queer bezeichnet Personen, deren sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität von der gesellschaftlichen Norm abweicht. Mit diesem Leitfaden wollen wir Sexismus und Queerfeindlichkeit entgegentreten.

 

Was wir wollen: Sexistische Diskriminierung bekämpfen!

Wir wollen diskriminierende Strukturen innerhalb der Partei bekämpfen und neue Verhaltensweisen etablieren. Damit wollen wir die Diskriminierung von Frauen und Queers bekämpfen. Betroffene sollen innerhalb der Partei Solidarität und Support erfahren, sich langfristig wohlfühlen und in der Partei aktiv bleiben können. Diskriminierung äußert sich sehr unterschiedlich. Personen, die selbst nicht betroffen sind, fällt es oft schwer, Diskriminierung zu erkennen. Dieser Leitfaden soll Sensibilität dafür schaffen, wie wir unsere Handlungen innerhalb der Partei möglichst respektvoll gestalten können und Sexismus möglichst wenig Raum lassen. Diskriminierung gegen queere Personen äußert sich oft darin, dass ihre Identität angezweifelt oder ungebeten hinterfragt wird. Zum Beispiel werden queeren Menschen häufig sehr private Fragen über ihren Körper oder ihre Vergangenheit gestellt. Frauen und queeren Personen werden außerdem Rollenbilder und bestimmte Aufgaben aufgezwungen.   Zum   Beispiel   wird   ihnen   nicht   zu   jedem  Thema Kompetenz zugetraut. Es werden etwa beim Thema Familienpolitik eher Frauen nach ihrer Meinung gefragt, als bei Wirtschaftspolitik. Frauen und Queers erfahren häufig sexistische Übergriffe. Ihre Probleme und Meinungen werden oft nicht ernst genommen. Manchmal geschieht diskriminierendes Verhalten aktiv, oft jedoch ungewollt. Diskriminierung geschieht in diesem Fall wider besseren Wissens, ist oft Teil eines gewohnten oder gelernten Verhaltens. Dieser Leitfaden soll dazu befähigen, das eigene Verhalten zu reflektieren und bietet Alternativen für Umgang und Sprache.

Unser Ziel ist es, dass Übergriffe und sexistische Sprüche keinen Platz mehr haben. Alle Genoss*innen sollen feministische Themen mitdenken. Wir wollen die Denke der Zweigeschlechtlichkeit überwinden: Die Welt ist nicht binär!

 

Wodurch möchten wir das erzielen? 8 Verhaltensweisen, die helfen.

Wir wünschen uns, dass unsere Genoss*innen folgende Verhaltenshinweisen berücksichtigen:

 

1. Selbstreflexion von Verhalten und Position

Wir wünschen uns, dass alle Personen ihre eigene Position in der Partei reflektieren und sich eigene Privilegien bewusst machen. Dies kann ein guter erster Schritt sein, um im weiteren Handeln die Privilegien abzubauen. Dazu gehört zum Beispiel, sich an einigen Stellen zurückzunehmen und Betroffenen zuzuhören. Nur so kann jede*r wahrnehmen, wo strukturelle Benachteiligung stattfindet oder wo wir selbst ein Teil davon sind. Um Sexismus und Queerfeindlichkeit zu bekämpfen, müssen wir alle unser eigenes Verhalten reflektieren. Wir müssen Kritik von anderen ernst nehmen.

Und wir müssen immer wieder selbst prüfen, ob es andere verletzt oder diskriminiert, wie wir sprechen und handeln. Auch unbewusste, unabsichtliche Diskriminierung kann schmerzhaft sein.

 

2. Inklusive Sprache

Eine Form von Diskriminierung ist es, Frauen und Queers auszublenden. Damit wir auch sprachlich alle Personen berücksichtigen, wollen wir uns vom „generischen Maskulinum“ verabschieden. Stattdessen nutzen wir die weibliche und die männliche Form, oder vereinen beide Formen. Ein Gendersternchen * zeigt außerdem, dass es nicht nur zwei Geschlechter gibt, sondern viele Identitäten außerhalb davon. Wir können zum Beispiel von Genossinnen und Genossen oder von Genoss*innen sprechen. Alternativ zum Gendersternchen gibt es auch den Doppelpunkt.

Die Pronomen einer Person (Fürwort sie oder er) können wir ihr nicht ansehen. Aus Rücksicht auf die Geschlechtsidentität jeder Person ist es wichtig, nur die Pronomen zu nutzen, mit der eine Person beschrieben werden möchte. Falls das unklar ist: einfach nachfragen!

 

3. Rücksichtsvolles Sprechverhalten

Frauen und Queers haben oft ein zurückhaltendes Redeverhalten erlernt. Männer hingegen haben oft gelernt, dass es in Ordnung ist, sehr laut zu sein, viel zu sprechen und Menschen zu unterbrechen. Dieses Redeverhalten kann aber strukturell Personen ausschließen, die gegen diese Dominanz in Diskussionen nicht anreden wollen oder können.

Also wollen wir in Diskussionen und Gesprächen rücksichtsvoll sein. Wir wollen vermeiden, dass lautere Personen mehr Gehör finden und dafür sorgen, dass Frauen und Queers Raum und Redezeit in Gesprächen haben. Als Hilfsmittel hierfür dienen nach Geschlecht quotierte Redelisten oder eine Redezeitbegrenzung. Langfristig braucht es aber vor allem ein sensibleres Diskussionsverhalten.

 

4. Sorgearbeit umverteilen

In der Parteiarbeit fallen nicht nur politische Arbeiten an. Es gehört genauso dazu, Genoss*innen mit Kaffee und Keksen zu versorgen, emotionale Unterstützung zu leisten oder darauf zu achten, dass der Raum nach einem Treffen wieder gut aussieht. Solche Arbeiten sind in Parteistrukturen oft genauso unsichtbar, wie im privaten Umfeld. Sie erfahren meist weniger Anerkennung als andere Arbeit. Es ist kein Zufall, dass Frauen und Queers diese Arbeiten oft erledigen, denn sie werden in die Rollen der Sorgearbeitenden gezwängt. Doch die ganze Parteiarbeit ist abhängig von diesen Arbeiten. Deshalb sollten sie von uns allen übernommen werden!

Wir wünschen uns, dass sich alle Genoss*innen nicht nur mit politischen Themen auseinandersetzen, sondern auch auf ihre Genoss*innen und die Umgebung achten - und sich auch gegenseitig (Sorge-)Arbeit abnehmen.

 

5. Rollenverteilung aufbrechen

Frauen und Queers können sich nicht in allen (Themen-)Bereichen der Partei gleichermaßen Willkommen fühlen. In manchen Bereichen, zum Beispiel bei Familien- oder Bildungspolitik, werden Frauen und Queers eher einbezogen, als bei Finanz- oder Wirtschaftspolitik.

Wir müssen aufhören, Expertise an bestimmte Rollenbilder zu knüpfen. Stattdessen sollten wir dafür sorgen, dass bei allen Themen alle Menschen verschiedener Geschlechter eine Möglichkeit haben, sich einzubringen. Ermutigen wir uns gegenseitig, die gesellschaftliche Rollenverteilung anhand von Bereichen und Themen aufzubrechen!

 

6. Definitionsmacht für Betroffene

Wenn es zu übergriffigem Verhalten kommt, sollte die betroffene Person entscheiden können, wie weiter mit der Situation und dem Täter umgegangen wird. Das gilt sowohl bei sexuellen Übergriffen, als auch bei sexistischen Sprüchen und verbalem Missbrauch.

Auf Betroffene sollten wir hören, wenn es um eine Einschätzung der Situation geht. Hier geht es also nicht um rechtliche Fragen, sondern um das Empfinden der Betroffenen. Wird etwas als sexualisierte Gewalt empfunden, dann ist es per Definitionsmacht auch sexualisierte Gewalt.

Wir sollten fragen, welche Unterstützung oder Maßnahmen die betroffene Person sich im Umgang mit der Situation wünscht. All das fassen wir unter dem Begriff „Definitionsmacht“ zusammen: Die betroffene Person soll die Macht haben, das Erlebte selbst einzuordnen und zu definieren.

 

7. Aktive Solidarität mit Betroffenen

Wenn es zu übergriffigem Verhalten kommt, ist es wichtig, betroffene Personen aktiv und solidarisch zu unterstützen.

Es ist wichtig, dies auch auszusprechen und zu zeigen. Dies bietet der betroffenen Person Schutz und gibt ihr die Möglichkeit, sich den Raum zu nehmen, den sie braucht. Das kann eine E-Mail sein, die klar macht, mit wem wir solidarisch sind. Oder wir stellen uns direkt Tätern entgegen. Wenn möglich, sollten wir betroffene Personen fragen, welche Art von aktiver Unterstützung sie wollen.

 

8. Aktive Auseinandersetzung mit Feminismus

Wir wünschen uns, dass sich Personen in allen Bereichen der Partei aktiv mit feministischen Themen auseinandersetzen und diese Haltung auch nach außen tragen. Wir laden alle Mitglieder der Partei ein, mit uns für feministische Themen zu streiten, Veranstaltungen zu organisieren und diese antisexistische Grundhaltung auch in anderen Bereichen aktiv einzubeziehen. Wir wollen nicht, dass es die Aufgabe von uns Frauen und Queers bleibt, immer wieder diese Themen zu setzen. Es ist die Aufgabe jeder Person in unserer Partei, besonders derer, die viele Privilegien genießen.

Diese Broschüre ist ein Anfang für eine Auseinandersetzung mit Feminismus und feministischen Themen. In feministischen Debatten werden oft Anglizismen oder Fremdwörter benutzt, die nicht jedem geläufig sind. Unter dem Link queer-lexikon.net/glossar findet ihr ein weiterführendes Glossar.

 

Ansprechpersonen bei Sexismus (ABS):

Solltest du innerhalb der LINKEN von Sexismus oder Queerfeindlichkeit betroffen sein, so hast du die Möglichkeit dich vertrauensvoll an unsere Ansprechpersonen zu wenden. Sowohl die einzelnen Kreisverbände, als auch der Landesverband haben jeweils zwei bis drei Ansprechpersonen. Du erreichst sie unter folgender E-Mail-Adresse: abs[at]dielinke-bremen.de Auf den Websites der jeweiligen Verbände findest du auch namentlich die jeweiligen Ansprechpersonen, die du auch direkt anschreiben kannst.

 

Unsere LAG Linker Feminismus Bremen trifft sich regelmäßig für feministische politische Arbeit.

Wir machen:

  • Politischen Aktivismus,
  • Einflussnahme auf politische Prozesse aus feministischer Sicht,
  • Bekämpfen sexistischer Machtstrukturen innerhalb und außerhalb der Partei mit gegenseitigem Empowerment,
  • Politische Bildung,
  • Vernetzung und Zusammenarbeit mit den verschiedenen linken feministischen Gruppen in Bremen (und bei Bedarf überregional).

Bei Interesse melde Dich einfach bei uns. Kontakt zu den AG-Sprecherinnen über: linker.feminismus[at]dielinke-bremen.de

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