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Christian Kok und Jens Hurling

Kurzinterview zum Anwohnerparken: Christian Kok ordnet ein

Anwohnerparken ist in aller Munde - angefacht durch Diskussionen im Beirat Findorff und hitzige Antworten aus alles politischen Lagern. Dabei wird gewohnt mit politischen Fachwörtern jongliert, Argumente werden kompliziert verpackt. Bei regelmäßigen Gesprächen mit Bürger*innen in Obervieland, Huchting, Neustadt und Woltmershausen haben wir bemerkt, dass viele gerne mitdiskutieren würden - die Grundlagen aber gar nicht klar sind. Was ist nun Anwohner*innenparken, was spricht dagegen? Unser Kreissprecher Jens Hurling hat sich kurzerhand Christian Kok geschnappt, Experte für Verkehrs- und Mobilitätswende und Sachkundiger Bürger für Sozialökologische Stadtentwicklung im Beirat Neustadt. Der erklärt die Grundlagen: 4 Fragen, 4 Antworten.

 

Moin Christian. Das Wichtigste zuerst: Was ist Anwohnerparken?

Christian: Anwohnerparken bedeutet, dass das Parken auf öffentlichem Boden nur noch für Anwohner*innen erlaubt ist. Dazu erhalten die Anwohnenden gegen eine Gebühr einen Parkausweis. Zusätzlich gibt es auch Gästeausweise für Besucher*innen. Das beseitigt zu einem großen Teil die Problematik von Fremdparkenden und verringert zudem dauerparkende PKW.

 

Klingt erstmal nach einer logischen Lösung. Was hält uns auf?

Christian: Die Herausforderung besteht im bürokratischen Aufwand. Auch wenn dieser nicht besonders groß ist, wäre es komplizierter als Besucher*in mit dem PKW einen Parkplatz zu finden. Außerdem sollte die Gebühr sozial verträglich ausfallen - da ist dann die Frage nach einer guten, fairen Regelung in alle Richtungen.

 

Du bist aktiv im Forum Verkehrswende und das ist auch einer deiner politischen Schwerpunkte. Warum findest du Anwohnerparken trotz der Herausforderungen so wichtig?

Christian: Anwohnerparken würde es für Anwohnende einfacher machen, einen Parkplatz zu finden. Menschen von außerhalb hätten einen weiteren Grund, nicht mit dem PKW in die Stadt zu fahren. Parkplätze sind unproduktiver Platz, der auch für den Fußverkehr und Radverkehr frei werden könnte. Viele Parkplätze könnten auch Grünstreifen sein. Wir wissen heute: In der Stadt ist schlichtweg nicht genug Platz, dass alle ein Auto fahren könnten. Deswegen ist generell eine Verlagerung vom PKW-Verkehr hin zu Fuß, Rad und ÖPNV nötig. Durch Gebühren wie beim Anwohnerparken werden Menschen dazu ermuntert, umzusteigen.

 

Was viele vergessen: Durch das Anwohnerparken wird die Allgemeinheit für den "verlorenen" Raum durch abertausende Parkflächen entschädigt.

 

Okay, aber nochmal zurück zu den Gebühren - als Linke horchen wir da sofort auf, weil Gebühren für einige schmerzen können. Wie geht das?

Christian: Die Gebühr sollte für besonders große und schwere PKW wie SUVs doppelt so hoch ausfallen. Denn die nehmen besonders viel Platz ein, verschleißen die Straßen stärker und produzieren viel mehr Lärm, Feinstaub, CO2 und Stickoxid. So würde ein Anreiz geschaffen, sich keine unnötig großen Autos anzuschaffen.
Um die Menschen zum Umsteigen zu bringen, reichen aber keine rein ordnungspolitischen Maßnahmen. Das Anwohnerparken ist nur ein kleiner Teil der Verkehrswende. Es braucht insbesondere

  1. einen besser abgedeckten, schnelleren und besser getakteten ÖPNV
  2. mehr Platz und sichere Infrastruktur für Fuß- und Radverkehr
  3. Verkehrsberuhigungsmaßnahmen.

Dann kann man auch Kapazitäten für PKW-Verkehr zurückbauen, also den öffentlichen Raum wieder zugänglich für alle machen und die Lebensqualität für alle stark erhöhen.

 

Danke Christian!

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