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Das Erinnern an Vernichtung und Völkermord ist unsere Pflicht

dav

„Am 8. Mai 1945 kapitulierte die faschistische Wehrmacht bedingungslos. Damit endete zugleich der industrielle Massenmord an den Jüdinnen und Juden und der Vernichtungskrieg in Europa, in dem allein rund 26 Millionen Menschen aus der Sowjetunion zu Tode kamen. Auch Sinti und Roma, Homosexuelle, Menschen mit Behinderung und antifaschistische Oppositionelle erlebten diesen Tag als Befreiung von unermesslichem Leid. Die Mehrheit der Bevölkerung hingegen erlebte den 8. Mai als Kapitulation; hing sie doch teils fanatisch, teils zumindest passiv der faschistischen NS-Diktatur an. Unser Dank gilt den Widerstandskämpfer*innen und Alliierten und unsere Gedanken sind bei den Millionen Opfern von Shoah und Weltkrieg. Sie werden nie vergessen werden. Das Erinnern an den beispiellosen Völkermord und Massenvernichtung, aber auch die breit getragene faschistische Ideologie und Massenbewegung sind Mahnung und Auftrag zugleich.

Leonidakis und Janßen fordern, dass diesem Tag mehr Bedeutung zugeschrieben wird: „75 Jahre nach Ende des Krieges muss der 8. Mai bundesweit gesetzlicher Feiertag werden. Aus dem 8. Mai ergibt sich die Pflicht des Gedenkens und Innehaltens. Ein bundesweiter gesetzlicher Feiertag wäre hierfür der richtige Rahmen. Auch im Alltag ist es unser aller Aufgabe, mit voller Kraft und Entschiedenheit gegen Antisemitismus und Rassismus, Neonazismus, Nationalismus und alle Ideologien der Ungleichwertigkeit menschlichen Lebens einzutreten.“

 

Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Krieg

„Zwölf Jahre Schrecken, zwölf Jahre der Unmenschlichkeit, der Entrechtung und Erniedrigung, der Verfolgung und der blutigsten Willkür liegen hinter uns. In Nacht und Grauen war Deutschland verstrickt, wie ein lastender Alp lag die Hitlerherrschaft auf allen, die noch menschlich fühlten, die noch freiheitlich empfanden, die noch selbständig denken konnten…“, schrieb die „Kampfgemeinschaft gegen den Faschismus“ am 6. Mai 1945 im „Aufbau“, der ersten Zeitung nach der Befreiung durch die alliierten Truppen. Fast 46.000 Wohnungen waren zerstört, 55% des Wohnraums nicht mehr nutzbar. 965 Menschen waren aus politischen, religiösen oder rassischen Gründen ermordet worden, unzählige starben als Soldaten und aufgrund der Bombardierungen. Transport-, Energie- und Versorgungssystem war völlig zusammengebrochen. Die Essensrationen auf 60% zusammengeschrumpft.

In 35 Stadtteil- und Ortsgruppen begann die KgF mit 6.500 Mitgliedern die Trümmerbeseitigung in Angriff zu nehmen. Nicht nur die Schutthalden mussten abgetragen, die Versorgung mit Lebensmitteln, Wohnraum, Grundversorgung und Arbeit gesichert werden. „Der Aufbau einer neuen Ordnung darf kein „Wiederaufbau“ sein, kein Wiederaufbau dessen, was vergangen ist, was von der Geschichte mit harter Hand hinweggefegt wurde!“ in den Betrieben war dem Einfluss faschistischen Denkens durch Herstellung demokratischer Strukturen entgegenzuwirken.

Im Sofortprogramm der KgF wurde die sofortige Auflösung der NSDAP und ihrer Gliederungen gefordert, die Freilassung der inhaftierten Antifaschisten, die Wiederherstellung der Grundrechte, die Gleichstellung aller ausländischen Arbeiter, die Wiederherstellung der Gewerkschaften und des Betriebsrätegesetzes, die Umstellung auf Friedensproduktion im Interesse der breiten Masse der Bevölkerung, eine Neubildung von Polizei, der Arbeitsämter und Verwaltung aus bewährten Antifaschisten, die kommunale Selbstverwaltung. Reparaturfähige Häuser und Wohnungen sollten wiederinstandgesetzt, über Bedarf hinausgehender Wohnraum beschlagnahmt, vorhandene Lebensmittel zentral erfasst und über Konsumgenossenschaften verteilt werden. Gas-, Wasser- und Stromversorgung, der öffentliche Nahverkehr, Reparatur der Kanalisation sollten sofort gesichert werden.

75 Jahre nach der Befreiung von Faschismus und Krieg stehen wir vor einer anderen Situation. Demokratische Strukturen wurden hergestellt, die Entnazifizierung blieb im aufkommenden Kalten Krieg unvollendet, Deutschland wurde in zwei Staaten gespalten, die Wirtschaft geriet nach zehn Jahren erneut in den Strudel einer Aufrüstungspolitik. Im aufkommenden Kalten Krieg waren die alten Kräfte aus Industrie und Großbanken, aus Militär und Verwaltung, aus Justiz und Polizei im Westen Deutschlands wieder gefragt. Schritt für Schritt wurden Antifaschisten aus dem öffentlichen Leben gedrängt, sahen sich Organisations- und Berufsverboten ausgesetzt. Zaghafte Pflänzchen der Rüstungskonversion vertrockneten nach dem Ende der sozialistischen Strukturen im Osten unseres Kontinents. Waffen werden in Krisengebiete verkauft, die Bundeswehr in 14 Staaten der Erde militärisch eingesetzt, in humanitärer Mission, wie es heute schamhaft heißt. Eine Neuaufteilung von Interessengebieten ist in vollem Gange, die Auseinandersetzung um Rohstoffe, unter Absicherung der Verkehrswege dorthin. Erneut sehen wir uns mit faschistischen Denkmodellen und Wertstrukturen konfrontiert, die bis in bürgerliche Parteien hinein aufgenommen werden und sie zu autoritären Maßnahmen drängen. Wirksame Gegenproteste sind in Zeiten einer Ausnahmesituation erheblich erschwert. Wachsam müssen wir sein, wollen wir nicht unter dem Deckmantel der Krankheitsbekämpfung eine allmähliche Aushebelung über lange Jahrzehnte hart erstrittener bürgerlicher und gewerkschaftlicher Rechte erleiden.

Raimund Gaebelein

 

Der 8. Mai Erinnerung und Mahnung

Heute vor 75 Jahren nahmen die Vertreter der Anti-Hitler-Koalition die bedingungslose Kapitulation Nazideutschlands in Berlin-Karlshorst entgegen. Die Soldatinnen und Soldaten der Anti-Hitler-Koalition haben den Sieg über die Nazibarbarei errungen. Dafür sagen wir heute Danke!

Dieser Sieg war aufs Engste verbunden mit der besonderen Leistung der Völker der Sowjetunion und der Roten Armee. Es war die Verteidigung Leningrads und Moskaus, die der „Blitzkriegsstrategie“ der Nazitruppen ein Ende bereitete. Mit der blutigen Schlacht um Stalingrad und der Panzerschlacht am Kursker Bogen wurde die Wende im Zweiten Weltkrieg eingeleitet und der Weg für die Zweite Front im Westen im Jahre 1944 geöffnet. Im Ergebnis konnte das Kriegsende in Europa erkämpft werden. Dafür sagen wir heute Spasibo!

Ich halte es mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizäcker, der1985 erklärte: Der 8. Mai 1945 war ein Tag der Befreiung!

Kanzlerin Merkel setzt diesen Gedanken nicht fort. Das Gegenteil ist der Fall. Heute hätte sie die Gelegenheit, an einem sowjetischen Mahnmal in Berlin ihren Respekt und ihre Anerkennung für die Befreiung von der NS-Diktatur zum Ausdruck zu bringen. Damit hätte auch ein Zeichen an die Russische Föderation für einen Aufbruch in eine neue Verständigungspolitik verbunden sein können.

Stattdessen geht die Bundesregierung auf Konfrontation zu Russland. Frau Merkel ist eine glühende Vertreterin der von den USA verlangten Sanktionen gegen Russland. Nato-Truppen stehen heute vertragswidrig wieder an Russlands Grenzen. Deutsche Soldaten befinden sich erneut in der Nähe Leningrads/St. Petersburgs. Mit der Nato-Strategie der „nuklearen Teilhabe“ strebt der deutsche Militarismus nach Atomwaffen. Diese Tatsachen sind unerträglich und gehören sofort beendet!

Wir, die Mitglieder des Deutsch_Russische_Friedens_Tage Bremen e. V., sind in großer Sorge über die deutsch-russischen Beziehungen. Wir setzen uns für Kooperation statt Konfrontation ein. Wir wollen daran mitarbeiten, ein vernünftiges Verhältnis zu unseren Nachbarn im Osten zu entwickeln. Wir setzen auf Verständigung und gute Nachbarschaft. Als Schritte zur Vertrauensbildung setzen wir auf kulturellen Austausch und die Entwicklung einer Städtepartnerschaft zwischen Bremen und einer russischen Stadt. 

In diesen Tagen sehen wir zahlreiche Versuche, die Geschichte der 8. Mai 1945 neu zu interpretieren. Diese Versuche weise ich entschieden zurück.

Der 8. Mai 1945 ist ein und bleibt ein Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg! Er hat es verdient, zu einem allgemeinen Feiertag zu werden!

Horst Otto


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