11. November 2017

So baut der Senat Bremer Lehreinrichtungen zu Ganztagsschulen um

Im Innenbereich der Schule soll die Mensa errichtet werden. (Foto: mh)

„Ganztagsschulen entwickeln sich im Bundesland Bremen seit 2001 zu zukunftsfähigen, modernen und verlässlichen Schulen. Sie bieten die Voraussetzungen, um den steigenden Ansprüchen an das Lernen von Schülerinnen und Schülern verschiedener Altersgruppen, an die Erhöhung der Bildungschancen aller sowie dem Bedürfnis nach einer Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie nachhaltig gerecht zu werden.“

Das schreibt die Bremer Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) auf ihrer Website.

Die Realität sieht ein wenig anders aus.

Da erreichte in dieser Woche die Bremer Stadtteil- und Landespolitik, die Medien und Immobilien Bremen am Mittwoch ein Brandbrief der Elternvertretung der Huchtinger Grundschule an der Delfter Straße. Die Verfasserin des Protestschreibens, Lucie Horn, beschwerte sich darin über den Ganztagsausbau der Schule, an der ihr Sohn unterrichtet wird. Für sie sei der „Einstieg in den Ganztagsbetrieb mehr als eine Zumutung“. Der Mensa-Neubau stockt, weil offenbar eine Baugenehmigung fehlt, Toiletten im Übergangs-Container funktionieren nicht. Kinder werden in den Fluren unterrichtet. Die Räume konnten wochenlang nicht beheizt werden, ein Gebäude-Trakt hat bis heute keinen Internet-Zugang. Insgesamt elf Punkte trug Horn zusammen. „Wir könnten diese Liste noch weiter fortführen. Als Elternsprecher*innen sind wir zutiefst schockiert über die unprofessionelle Herangehensweise, mit der hier an dieser Schule der Ganztagsausbau und die dazugehörigen Gebäudeerweiterungen umgesetzt werden.“

Die Eltern fordern die Bildungssenatorin und alle dafür zuständigen Behörden sowie die Bürgerschaftsabgeordneten auf, Sorge dafür zu tragen, dass die Bauarbeiten an Fahrt erheblich gewinnen und die Bedingungen für unsere Kinder und deren Lehrkräfte während der Bauphase so erträglich wie möglich gestaltet werden. Sie erwarten, dass in einem vor Ort-Termin  verbindliche Maßnahmen und eine Termin-Leiste für deren Abarbeitung mitgeteilt werden.

Diese Forderung hat die Huchtinger LINKE aufgenommen. In einer Erklärung fordern sie die Bildungssenatorin auf, in den südlichsten Bremer Stadtteil zu fahren. „Auch wenn es möglicherweise weh tut, sich den geballten Ärger anzuhören: Ich erwarte, dass die Bildungssenatorin Claudia Bogedan schnellstmöglich persönlich nach Huchting kommt, um den Eltern und den Lehrkräften verbindlich mitzuteilen, wie es mit dem Mensa-Neubau weitergeht und wie die Unterrichtssituation für Schüler*innen und Lehrer*innen verbessert wird. Es reicht nicht, nur untergeordnete Behörden-Vertreter*innen zu schicken“, sagt das Beiratsmitglied Michael Horn.

Kristina Vogt trägt das Problem in die Bürgerschaft. Die Bildungsexpertin der LINKEN hat eine sogenannte Berichtsbitte eingereicht, der Senat muss bis zum 29. November 2017 den Fragenkatalog beantworten. „Die Bildungsbehörde hat es sich viel zu einfach gemacht, als sie die Grundschule Delfter Straße in eine Ganztagsschule umgewandelt hat, ohne vorher die dringend benötigten Mensa und Differenzierungsräume zu bauen. Jetzt steht die Schule mit einer offenen Baustelle da und der laufende Betrieb kann kaum noch aufrechterhalten werden“, sagt Vogt. „So macht man die Arbeit an dieser Schule kaputt, statt sie zu unterstützen. Ich verstehe absolut nicht, dass der Bremer Senat in dieser Situation nicht alles unternimmt, um die Bauarbeiten voranzutreiben. Fehlende Baugenehmigungen sind ein hausgemachtes Problem der Bremer Behörden und zeigen, welchen geringen Stellenwert der Schulumbau bei diesen wohl hat." [Red.]

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