7. November 2017

Schulsozialarbeit – Bildungsressort lässt Grundschulen der Bremer Neustadt mit Problemen allein!

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Mit großem Unverständnis reagieren PIRATEN und die Fraktion DIE LINKE im Beirat Neustadt auf die Absage von Senatorin Bogedan bzw. Staatsrat Pietrzok an einer für den 2. November 2017 geplanten „Sondersitzung“ des Beirats teilzunehmen. Als einziger TOP war die unzureichende Ausstattung allgemeinbildender Neustädter Schulen (insbesondere GS Karl-Lerbs) mit Schulsozialarbeiter*innenstellen vorgesehen.

Im Februar dieses Jahres hatte der Beirat, wie bereits in 2016, einstimmig einen Haushaltsantrag beschlossen, in welchem er die Ausstattung der Neustädter Schulen mit mindestens einer Schulsozialarbeiter*innenstelle (Vollzeit) fordert.

Wie begründet diese Forderung ist, wurde im Juni dieses Jahres auch noch einmal exemplarisch durch die dringliche Bitte der Schulleitung der GS Karl-Lerbs an den Beirat verstärkt, die Schule dabei zu unterstützen, die dringlich erforderliche Schulsozialarbeiter*innenstelle an der Schule einzurichten. In diesem Zusammenhang richteten die GS Karl-Lerbs und GS Oderstraße (250 Kinder im offenen Ganztag) einen „Brandbrief“ an die Bildungsbehörde, um die nicht mehr hinnehmbare schwierige Situation an den Schulen darzulegen.

Auch wenn die GS Oderstraße ab spätestens 1. Januar 2018 mit einer halben Schulsozialarbeiter*innstelle ausgestattet werden soll, ist es für PIRATEN und DIE LINKE nicht akzeptabel, dass insbesondere die GS Karl-Lerbs (350 Kinder im gebundenen Ganztag!) erneut bei der Bereitstellung von Schulsozialarbeit unberücksichtigt bleiben soll. Vor dem Hintergrund der akut schwierigen Situation an der GS Karl-Lerbs und der Ermöglichung von Chancen- und Bildungsgerechtigkeit für alle Kinder und Jugendlichen in der Neustadt, hielten es PIRATEN, DIE LINKE und Mitglieder der CDU daher für dringend erforderlich eine Beiratssitzung einzuberufen, zu der Vertreter*innen der politischen Entscheidungsebene (Senatorin Bogedan/Staatsrat Pietrzok) als Vertreter*innen der Bildungsbehörde und die Vertreter*innen der Neustädter Schulen eingeladen werden sollten.

Das Bildungsressort teilte dann dem Ortsamt allerdings mit, dass weder Senatorin Bogedan noch Staatsrat Pietrzok an der Sitzung des Beirats teilnehmen „können“. Da wir der Ansicht sind, dass die Sitzung ohne die politisch verantwortlichen Ressortvertreter nicht zielführend wäre, haben wir den Antrag auf Einberufung der „Beiratssondersitzung“ zurückgezogen, so dass diese dann ausfallen musste.

Damit wurde von Senatorin Bogedan beziehungsweise Staatsrat Pietrzok die Chance vertan, sich vor Ort über die an den Schulen nicht mehr hinnehmbaren sozialen und pädagogischen Problemlagen zu informieren bzw. den Schulleitungen, Lehrer*innen und Vertreter*innen der Eltern Gehör zu schenken, die unter der fehlenden bzw. der nicht angemessenen Ausstattung mit Schulsozialarbeit zu leiden haben.

„Es gibt unbestreitbar einen dringenden Bedarf an schulsozialpädagogischer Arbeit an den Schulen der Neustadt. Nicht nur in sozial benachteiligten Stadt- bzw. Ortsteilen kommt dieser ein hoher sozialintegrativer Stellenwert zu. Bei individuellen und sozialen Problemlagen können dafür ausgebildete Fachkräfte direkt vor Ort intervenierend und unterstützend tätig werden“, sagt Dazu Gunnar Christiansen (PIRATEN). „Darüber hinaus  wird es zunehmend erforderlich, Kinder von Geflüchteten in den regulären Schulbetrieb zu integrieren. Schulsozialarbeiter*innen leisten konkrete soziale und kulturelle Integrationsarbeit und einen wichtigen Beitrag, um die Korrelation von Armut und Bildung zu überwinden.“

Die Einrichtung von Schulsozialarbeiter*innenstellen sollte von Senatorin Bogedan endlich als wichtiger Beitrag zur Ermöglichung sozialer Teilhabe bzw. der Gewährleistung von Bildungschancen für alle Kinder und Familien im Stadtteil begriffen werden.

„Damit würde einer sozialen Polarisierung im Stadtteil vorgebeugt und ein nachhaltiger Beitrag zu einer positiven sozialen und kulturellen Entwicklung der Neustadt und Bremens insgesamt geleistet“, so Wolfgang  Meyer (DIE LINKE).

PIRATEN und DIE LINKE werden die Haushaltsberatungen abwarten und ggf. Senatorin Bogedan bzw. Staatsrat Pietrzok zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu einer Beiratssitzung einladen, zumal die mangelhafte Ausstattung der Schulen mit Schulsoziarbeit gegen das Bremische Schulgesetz verstößt, da dort gefordert wird, dass Schulen der Ungleichheit von Bildungschancen entgegenwirken und soziale Benachteiligung abbauen sollen. Dies kann „Schule“ aber nur dann leisten, wenn dazu auch der konkrete politische Wille vorhanden ist!