14. November 2017

Reinhard Lauterbach: Der Kampf um die Ostsee - gefährliche Eskalation im Baltikum

http://youtu.be/4b5gC6fZuYs

https://youtu.be/4b5gC6fZuYs

Auf Einladung der Marxistischen Abendschule (MASCH) und des Bremer Friedensforums war der bekannte Publizist und Osteuropaexperte Reinhard Lauterbach am 14. November 2017 in die Villa Ichon gekommen und referierte über "Der Kampf um die Ostsee - gefährliche Eskalation im Baltikum". Lauterbach ist gelernter Historiker und Slawist, war von 1986 bis 2011 für verschiedene ARD-Sender als Auslandskorrespondent in Warschau, Kiew und Minsk tätig. Seit 2013 erscheinen seine Analysen vorwiegend in der Jungen Welt. Er hat ein Buch über - so der Titel - das "Lange Sterben der Sowjetunion" und eins über den Bürgerkrieg in der Ukraine geschrieben. Lauterbachs Vorteil als Osteuropaexperte: er lebt in Poznan in Polen und spricht fließend polnisch und russisch.

Seine Analysen und Thesen über das Konfliktfeld Ostsee sind alarmierend. In den deutschen Leitmedien wird darüber kaum, und wenn, dann entweder sehr oberflächlich und/oder sehr einseitig berichtet. Lauterbach machte einen tiefen Griff in die Geschichte. Seine (wohl begründete) These: mit Ausnahme des Mongolensturms kamen alle Angriffe auf Russland aus dem Westen. Zuerst der Deutsche Ritterorden im 13. Jahrhundert, dann die Invasion der Polen und Litauer im 16. und 17. Jahrhundert, gefolgt von den Schweden im 18. und von Napoleon im 19. Jahrhundert. Am schlimmsten der Vernichtungsfeldzug der deutschen Faschisten im 20. Jahrhundert.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion dann unmittelbar nach der Einvereibung der DDR durch die Bundesrepublik Deutschland folgte nicht etwa ein Zeitalter der friedlichen Kooperation mit der von so vielen erhofften Friedensdividende, sondern der Vormarsch der Nato immer dichter an die Grenzen der russischen Föderation.

Es gehe der Nato darum, den Ostseeraum als Ausgangspunkt für die fortlaufende Bedrohung Russlands herzurichten.

Die Situation hält Lauterbach für äußerst bedrohlich. Bitter und pessimistisch schloss er sein Referat: "Wenn jemand von ihnen mit dem Gedanken spielen sollte, sich noch einmal die Kurische Nehrung oder die Backsteingotik von Riga anzuschauen, tun sie's lieber schnell, als dass sie es lange aufschieben."
Sönke Hundt