27. Februar 2019

Einladung: City Grabbing - Die Stadt als Beute

 

Diskussionsveranstaltung am 15. März, 19:00 Uhr im „Kuss Rosa“, Buntentorsteinweg 143, Bremen     https://www.kuss-rosa.de/

Referenten:

Jan, aktiv in der der Stadt AG der Interventionistischen Linken Berlin, der Kampagne ‚Deutsche Wohnen & Co enteignen‘ und der ‚Starthilfe AG‘, Co-Autor der Broschüren 'Das Rote Berlin – Strategien für eine sozialistische Stadt' und ‚Zusammentun‘, https://interventionistische-linke.org/beitrag/das-rote-berlin 

Herbert Thomsen, Aktivist beim Bremer Erwerbslosenverband (BEV), und in Bremer Mieterinitiativen 

 

Moderation: Olaf Zimmer, Kreissprecher DIE LINKE. LdW Bremen, Mitgründer der Bremer alternativen Genossenschaft Anders wohnen eG (Grünenstraße)

 

Grund und Boden sind weltweit in das Zentrum sozialer Auseinandersetzungen gerückt. Finanzinvestoren kaufen nicht nur riesige Teile von Agrarland auf, sondern auch halbe Städte: Neben das „Land-Grabbing“, die Inbeschlagnahme immer größerer Landflächen für Investoren-Projekte, tritt das „City-Grabbing“. Stadtentwicklung ist zu einer attraktiven Profitquelle geworden. 

Der meiste Profit lässt sich mit steigenden Bodenpreisen machen. Die Metropolen gelten als fast ausgereizt – am Pariser Platz in Berlin-Mitte kostet der Quadratmeter schon bis zu 60.000 Euro. Die größten Bodenwertsprünge werden dagegen in den Städten mittlerer Größenordnung, wie Bremen, erwartet. Beim Neuen Hulsberg-Quartier treibt die Stadt selbst den Bodenpreis hoch, mit Ausschreibungen für 1.300 Euro/qm. 

Seit den 1980er Jahren wurde der soziale Wohnungsbau privatisiert und die Finanzmärkte liberalisiert. Damit begann der Aufstieg des Finanzkapitals als Akteur auf dem Wohnungsmarkt. Inzwischen werden nach und nach institutionelle Investoren auf den Bremer Wohnungsmarkt aktiv. 2011 erwarb Grand City Property die Grohner Düne. 2014 kaufte Vonovia 11.000 ehemals kommunale Wohnungen in Bremen. Daneben bestimmen lokale Projektentwickler wie Justus Grosse und Bau-Investoren wie Kurt Zech die Stadtentwicklung und diktieren den Stadtumbau. 

Das Geschäftsmodell der Investoren hat sich verändert. Ließ man früher die Wohnbestände verfallen und strich die Miete ein, gilt jetzt: Nur teures Wohnen wirft ordentlich Profit ab. Modernisierung, rasante Mietsteigerung und Neubau sind das große Geschäft. Das Geschäftsmodell heißt „Aufwertung“. In der Folge wird der Wohnraum im günstigeren Segment systematisch vernichtet. Gentrifizierung, Verdrängung und Zwangsräumungen sind an der Tagesordnung. 

In jüngster Zeit sind einige Wohnungsbestände in Berlin oder in Bremen von der Stadt angekauft oder zurückgekauft worden. Dabei werden horrende Summen bezahlt für Wohnungen, die seinerzeit für einen Bruchteil des jetzigen Preises privatisiert wurden. 

Radikale Ansätze von links sind gefragt. Wir wollen auf der Veranstaltung unter anderem über die in der IL-Broschüre und der aktuellen Diskussion aufgeworfenen Fragen diskutieren: 

          Wie können wir uns gegen Verdrängung und Gentrifizierung wehren?

          Worauf zielt die Kampagne ‚Deutsche Wohnen & Co. enteignen‘?

          Was ist eine sozialistische Wohnungspolitik und Stadtpolitik?