25. Februar 2017

"Der Kaiser ging, der Führer ging - die Bremer Waffenschmieden blieben"

im Theatersaal Gemeindezentrum Zion

Prof. Dr. Jörg Wollenberg

Kampfflugzeut F 190, gebaut von Focke-Wulff

Prof. Dr. Jörg Wollenberg erinnerte in seinem Vortrag gestern im voll besetzten Theatersaal des Gemeindezentrums Zion in der Kornstraße an die lange und verhängnisvolle Tradition der Rüstungsproduktion in Bremen. Das war schon so im ersten Weltkrieg mit den großen Aufträgen für den Bau von Kriegsschiffen für die Bremer Werften und setzte sich, nach einer längeren Zwangspause während der Weimarer Republik, vor allem im Flugzeugbau während der Nazi-Zeit fort. Die Bremer Kaufleute ("Pfeffersäcke") Otto Bernhard, Otto Schurig und Ludwig Roselius stiegen entschlossen vom Außenhandel auf die Rüstungsproduktion um. Wenn wegen der Autarkiepolitik der Nazis mit Im- und Export nicht mehr so viel zu verdienen sei, müsse man eben versuchen, von den riesigen Summen, die in die Rüstung gingen, seinen Teil abzubekommen. Ihnen war klar, dass ihre kapitalistische Zukunft für die nächsten Jahre im Flugzeugbau liegen würde. Vor allem, seit der moderne "Krieg von oben" im Bombardement auf Guernica während des Spanischen Bürgerkrieges seine fürchterliche Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt hatte. Der erfolgreichste Typ, der in immer höheren Stückzahlen in der neu gegründeten Focke-Wulf-Flugzeugbau AG produziert wurde (bis 1945 20.000 Stück) war das Jagdflugzeug Fw 190 (genannt der "Würger"). Die Tradition von Focke-Wulff lebt fort.  Aus dem Unternehmen wurden - nach diversen Fusionen, Änderungen der Firmenbezeichnungen und Eigentumsverhältnissen nacheinander VFW, später ERNO, dann EADS und heute Airbus.

"Der Kaiser ging, der Führer ging - die Bremer Waffenschmieden blieben". Diese Überschrift hatte Jörg Wollenberg seinem Vortrag gegeben. Bremen war und ist noch heute einer der größten Standorte für die Waffenindustrie in Deutschland. Atlas-Elektronik, Airbus, OHB, Rheinmetall und die Lürssen-Werft produzieren und entwickeln Waffen und Waffensysteme für die Bundeswehr und den Export in die ganze Welt. Über die Bremer Häfen (BLG) wird ein großer Teil des Exports von Rüstungsgütern und der Nato-Logistik abgewickelt. Tendenz steigend.

Zur Zeit nehmen die internationalen Spannungen und die Kriege auf immer neuen Kriegsschauplätzen in einem beängstigen Maße zu. Die Nato und die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen verkünden immer höhere Ziele: so soll der Rüstungsetat in den nächsten Jahren von 37 Milliarden auf zukünftig 70 Milliarden Euro jährlich erhöht werden. Verständlich, dass die Bremer Rüstungsindustrie davon einen entsprechenden Batzen abbekommen will.

Die Fotoausstellung "Nie wieder Krieg?" hat ihren Standort gewechselt und ist seit dem 24. Februar im Gemeindezentrum Zion zu sehen. Der erste Vortrag in der dazugehörenden Reihe von Jörg Wollenberg war ein großer Erfolg, die Zuhöerinnen und Zuhörer dankten dem Referenten mit langem Beifall und mit einer intensiven Diskussion danach.

Die weiteren Vorträge:
am Donnerstag, den 16. März 2017 um 20 Uhr
"Die Machtergreifung der NSDAP in Bremen"
Referent: Dr. Heinz-Gerd Hofschen (Historiker, Bremen)       
Moderation: Guido Möller     
im Gemeindezentrum Zion der Vereinigte Evangelische Gemeinde Bremen-Neustadt, Kornstr. 31, 28201 Bremen   

und am am Donnerstag, den 23.3.2017, 19:00 Uhr     
"Gefolgschaft hinterm Hakenkreuz - Die Massen im dritten Reich "           
Referent: Prof. Dr. Manfred Weißbecker, Jena     
Moderation: Thea Kleinert
ebenfalls im Gemeindezentrum Zion.
Sönke Hundt

Die Ausstellung und die Vortragsreihe wurden organisiert bzw. unterstützt vom Kreisverband Links-der-Weser der LINKEN, der Vereinigten Ev. Gemeinde Bremen-Neustadt und vom Bremer Friedensforum.