19. November 2017

Bremer Gratulation an Friedensnobelpreisträger. Bürgermeister Sieling spricht auf Kundgebung

Aktionstag der Friedensbewegung am 18. November 2017 um 13 Uhr auf dem Marktplatz: Bremer Gratulation an Friedensnobelpreisträger. Bürgermeister Sieling sprach auf der Kundgebung.

Als Beitrag zum bundesweiten Aktionstag der Friedensbewegung am 18. November versammelten sich trotz strömendem Regen etwa 100 Bremer Bürgerinnen und Bürger, unter ihnen ihr Bürgermeister Carsten Sieling, auf dem Marktplatz. Zu Beginn sprach der Arzt Lars Pohlmeier als Vertreter der weltweiten Organisation „Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung“ (IPPNW). Er wandte sich vehement gegen die von Politikern vertretenen Abschreckungsideologie, mit der bis heute der Besitz von und die Bedrohung mit Atomaffen gerechtfertigt würde. Er bat dagegen die von der diesjährigen Friedensnobelpreisträgerin ICAN herausgegebenen Petition an die künftige Bundesregierung zu unterzeichnen und dafür zu werben. Während der Veranstaltung wurden bereits Unterschriften gesammelt.

Bürgermeister Carsten Sieling sprach sich für eine internationale Ächtung von Atomwaffen aus, forderte die zukünftige Bundesregierung auf, den UN-Verbotsvertrag zu unterzeichnen und ermutigte die Friedensinitiativen für ihren Einsatz dafür.

Volkert Ohm, Jurist und Mitglied der „Internationalen Vereinigung von Juristinnen und Juristen gegen Atomwaffen“ (IALANA) stellte einen Appell an die Bremer Abgeordneten in der Bürgerschaft, im Bundestag und im Europaparlament vor, der, von  79 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens unterzeichnet, versandt worden ist. Der Appell fordert die Abgeordneten auf, darauf hinzuwirken, dass der von 122 Nichtatomwaffen-Staaten unter dem Schirm der UN ausgehandelte Atomwaffenverbotsvertrag von der Bundesregierung und der Europäischen Kommission unterzeichnet wird.

Barbara Heller, die die Kundgebung moderierte, lud am Ende der Veranstaltung die Teilnehmer*innen auf, sich ein Lesezeichen am Büchertisch abzuholen. Auf ihm ist eine Anleitung für das Falten eines Papierkranichs zu finden, Symbol der Japaner für den Frieden. Das Mädchen Sadako aus Hiroshima, sterbenskrank von den Folgen der Atombombe, wollte 1000 solcher Kraniche basteln, schaffte aber nur bis zu ihrem Tode 644.

Text und Fotos: Hartmut Drewes


Alle Infos zum bundesweiten Aktionstag sind zu finden unter www.friedenskooperative.de/aktionstag18.November

Links für Bremen:

www.bremerfriedensforum.de/918/event/Bundesweiter-Aktionstag-der-Friedensbewegung/

https://www.facebook.com/events/724916591029082/

 

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++Das Grußwort des Bremer Bürgermeisters Carsten Sieling:

"Zunächst möchte ich mich bei den Veranstaltern herzlich bedanken, dass ich hier zu Ihnen sprechen darf.
Die Verleihung des Friedensnobelpreises an die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen ICAN ist gerade heute, gerade in dieser Zeit, ein wichtiges politisches Signal!

Ein wichtiges Signal an die Atomwaffenstaaten, durch Abrüstung – nicht Hochrüstung - für mehr Sicherheit weltweit zu sorgen.

Bremen ist der ICAN-Kampagne dabei in ganz besonderer Weise verbunden, denn Bremen und Bremerhaven sind seit den 80er Jahren auch Mitglieder im Städtebund „Bürgermeister für den Frieden“.  Diese Initiative ging von den Städten Hiroshima und Nagasaki aus und umfasst heute ein Netzwerk von 7500 Städten und Gemeinden in mehr als 160 Ländern und Regionen weltweit.

Unser Ziel ist die vollständige Abschaffung der Atomwaffen weltweit.

Warum ist das für uns Städte und Kommunen so wichtig?
Es ist wichtig, weil die Menschen in den Städten, weil wir alle hier, durch Atomwaffeneinsätze bedroht sind.
Und anders als in Japan vor mehr als 70 Jahren wäre die Zerstörung heute ungleich größer.
Wir können und wir dürfen deshalb nicht schweigen angesichts dieser Bedrohung.
Und Bremen hat dies auch nie getan.

Seit langem engagieren sich viele Menschen in unseren beiden Städten im Bremer Friedensforum oder im IPPNW - den internationalen Ärzten für die Verhütung des Atomkrieges - und setzen sich für die dringend notwendige internationale Abrüstung ein.

Insofern haben auch Sie hier, haben die Bremerinnen und Bremer, einen ganz konkreten Anteil daran, dass in diesem Jahr bei den Vereinten Nationen ein Ächtungsvertrag von Atomwaffen ausgehandelt werden konnte.

Wir leben in Zeiten globaler Krisen und atomarer Aufrüstungsbestrebungen in viel zu vielen Ländern. Nicht nur in Nordkorea sondern auch in den USA und in Russland.

Auch die NATO-Staaten beteiligen sich an den Aufrüstungsprogrammen, darunter auch Deutschland.
Vor diesem Hintergrund ist es besonders bedauerlich, dass die Bundesrepublik an den so wichtigen Verhandlungen zum internationalen Ächtungsvertrag von Atomwaffen nicht teilgenommen hat.

Da müssen wir uns auf allen gesellschaftlichen Ebenen verstärkt einmischen, um das kritisch zu hinterfragen.
Wir müssen mahnen, dass es Zeit ist für eine Umkehr hin zu Abrüstung und Sicherheit.

Denn das ist eine Frage des globalen Überlebens. Und die heutige Veranstaltung soll dies zum Ausdruck bringen.

Ich will hier heute nicht nur den Veranstaltern und allen Anwesenden gratulieren und sie ermutigen, sich weiter zu engagieren.

Die Abschaffung der Atomwaffen ist aus humanitären Gründen geboten und notwendig und auch mir ganz persönlich ein wichtiges Anliegen.

Vor allem möchte ich auch ICAN an dieser Stelle schon sehr herzlich zum Friedensnobelpreis gratulieren, auch wenn dieser erst in wenigen Wochen in Oslo überreicht wird.

Die völkerrechtliche Ächtung von Atomwaffen ist ein großer Erfolg für die Initiatoren und vielen Mitglieder der Kampagne.

Sie ist zugleich auch ein Erfolg für uns alle und zeigt, dass es sich lohnt, sich zusammenzuschließen und für ein so wichtiges Anliegen zu engagieren.

Ich hoffe, dass sich viele Menschen, vielleicht auch durch den Friedensnobelpreis ermutigt sehen, sich ebenfalls zu engagieren.

Ihnen allen wünsche ich auch weiterhin viel Kraft, Zuversicht und auch die nötige Ausdauer für dieses wichtige Engagement.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit."

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