7. Januar 2017

12. Todestages von Laye Alama Condé: Mobiler Gedenkort eingeweiht

Foto: Miriam Strunge

Heute fand anlässlich des 12. Todestages von Laye Alama Condé, der in Bremer Polizeigewahrsam Opfer einer zwangsweisen Verabreichung von Brechmittel wurde und  am 7. Januar 2004 an den Folgen starb, eine Gedenkveranstaltung statt.

Über 150 Menschen sind auf der auf der Bremer Sielwallkreuzung zusammen gekommen und haben in einer Gedenkminute Laye Conde sowie Oury Jalloh gedacht. Jalloh kam 2005 in einer Gefängniszelle des Dessauer Polizeireviers ums Leben.

Der Geflüchtete aus Sierra Leone soll sich dort angeblich selbst angezündet haben, was jedoch 2013 durch ein Gutachten widerlegt wurde.

Da es bisher wegen Komplikationen auf unterschiedlichen Behördenebenen nicht möglich war, einen festen Gedenkort einzuweihen, wurde heute Mittag ein mobiler Gedenkort eröffnet, der zunächst vor dem Lift steht. Die Bremer Bürgerschaftsabgeordnete der LINKEN, Miriam Strunge, fordert aber einen festen Platz als Anerkennung dieses dunklen Kapitels Bremer Stadtgeschichte. „Wir brauchen diesen Gedenkort für Laye Condé als Mahnung, dass Tod durch politisch legitimierte Gewalt nie wieder passieren darf.“

Die rechtliche Grundlage für die Brechmittel-Zwangsprozedur schuf 1992 der damalige Bremer Bürgermeister Henning Scherf (SPD), der gleichzeitig Justizsenator war. Diese Praxis, die in der Hansestadt oftmals durchgeführt wurde, stufte der Europäische Gerichtshof später als Folter ein.

Ein Prozess gegen den ausführenden Arzt wurde in einer beispiellosen Justizposse eingestellt. Vor zwei Jahren entschuldigte sich auch der Bremer Polizeipräsident Lutz Müller öffentlich für den Einsatz des Brechmittels. Laut Weser Kurier hat inzwischen auch Scherf "in einem Interview mit dem Magazin der Allianz-Versicherungsgruppe [...] Anfang Januar den Brechmitteleinsatz als Fehler" bezeichnet. [Red.]