11. März 2017

Die Machtergreifung der NSDAP in Bremen - und die Auseinandersetzung um das Mahnmal zur Erinnerung an die Beraubung von Jüdinnen und Juden

Miriam Strunge, MdBB

Vortrag von Dr. Heinz-Gerd Hofschen. Im Rahmen der Antikriegsausstellung im Linkstreff (jetzt im Gemeindezentrum Zion) wird der Historiker Heinz-Gerd Hofschen referieren über die Fragen: Wer hat 1933 die Nazis an die Macht gebracht? Wer hat sie auch in Bremen unterstützt und gewählt? Und wie verhielt sich die Mehrheit der Bevölkerung im "Dritten Reich"? Wann und wo? Am Donnerstag, 16. März 2017 um 20 Uhr im Gemeindezentrum Zion, Kornstr. 31, 28201 Bremen.

Wie aktuell das Thema in Bremen wieder geworden ist, zeigt die Auseinandersetzung um das geplante Mahnmal zur Erinnerung an die Beraubung von Jüdinnen und Juden im Zusammenhang mit dem Unternehmen Kühne & Nagel.

Miriam Strunge, Bürgerschaftsabgeordnete der LINKEN, hat dazu die folgende Presseerklärung abgegeben:

 

Kultursenator kuscht vor Kühne+Nagel und setzt auf faulen Kompromiss

Die Fraktion DIE LINKE in der Bremischen Bürgerschaft lehnt den neuen Standortvorschlag des Bürgermeisters und Senators für Kultur, Carsten Sieling, für ein Mahnmal zur Erinnerung an die massenhafte Beraubung der Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus ab. Er schlägt der Kulturdeputation ein Mahnmal im Bereich Stephaniviertel, Höhe Jugendherberge, als neuen Standort vor. Im Stadtgespräch ist jedoch ein Mahnmal am Neubau von Kühne+Nagel an der Wilhelm-Kaisen-Brücke. Auch der Bürgerschaftsbeschluss zum Thema spricht sich für einen Standort ‚im Umfeld des Neubaus der Firma Kühne+Nagel‘ aus.

Miriam Strunge, kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion, erklärt dazu: „Carsten Sieling knickt vor der Erpressungsstrategie von Kühne+Nagel ein. Das Unternehmen will den direkten räumlichen Bezug zwischen Mahnmal und Konzernsitz verhindern. Es zeigt sich wieder:  Das Logistikunternehmen widersetzt sich noch immer einer aktiven Aufarbeitung der eigenen Rolle bei der Ausplünderung europäischer Jüdinnen und Juden in der NS- Zeit.

„Kühne+ Nagel war maßgeblich an der >Aktion M< beteiligt, bei der massenhaft geraubtes jüdisches Eigentum aus den Benelux- Staaten nach Bremen transportiert wurden. Kühne+Nagel hatte hier eine Monopolstellung und schaffte während des Nationalsozialismus gleichermaßen die Voraussetzung für spätere Unternehmenserfolge auf dem Weltmarkt. Deshalb darf man das Unternehmen nicht aus seiner Verantwortung lassen“, so Strunge.

Die Argumentation des Staatsarchivs für den Standort Jugendherberge überzeugt aus Sicht der Linksfraktion inhaltlich nicht: Einerseits wird ausführlich dargelegt, dass nicht zu sehr auf Unternehmen und Logistikbranche fokussiert werden solle. Andererseits gibt es nur ein einziges Argument für den Standort Jugendherberge, nämlich dass dort früher einmal namentlich nicht genannte Logistiker angesiedelt waren.

Strunge abschließend: „Ein zentrales Mahnmal auf öffentlichen Grund, am Fuße von Kühne+Nagel zeigt am deutlichsten, dass sich Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger der Stadt und die Verwaltung an der Beraubung von jüdischem Besitz bereichert haben. Der Standort Jugendherberge verschleiert den direkten Zusammenhang mit der Bremer Logistikbranche, und dem Hauptprofiteur Kühne+Nagel. Das finden wir ein falsches Signal. Wir bleiben dabei, ein Mahnmal am historischen Ort, fußläufig zum Marktplatz, mit Blick auf Kühne +Nagel ist erinnerungspolitisch der richtige Platz. Dafür werden wir uns in der Kulturdeputation stark machen.“

Quelle: http://www.linksfraktion-bremen.de/nc/buergerschaft/aktuell/detail/artikel/kultursenator-kuscht-vor-kuehne-nagel-und-setzt-auf-faulen-kompromiss/