28. Januar 2019

Rede unseres Genossen Olli Kornau auf der kurdischen Solidaritätsdemo am 26. Januar

An der Solidaritätsdemo am 26. Januar wirkte auch der Kreisverband Links der Weser aktiv mit. Wir solidarisieren uns insbesondere mit den hungerstreikenden Kurdinnen und Kurden. Im Folgenden ein Transkript der Rede, die unser Genosse Olli Kornau, Beiratskandidat für die Neustadt, bei der Demonstration hielt:

"Moin Bremen!
Moin liebe kurdischen Bremerinnen und Bremer!
Moin liebe Genossinnen und Genossen!

Ich heiße Olli Kornau und bin Mitglied in der Partei DIE LINKE.
In der Partei DIE LINKE bin ich unter anderem aktiv in der
Landesarbeitsgemeinschaft Migration, Integration und Antirassismus.

Ich danke euch, dass ich eingeladen wurde, hier zu sprechen und sende euch solidarische Grüße vieler Genossinnen und Genossen aus der Partei.

Ich persönlich denke, dass die Isolierung Abdullah Öcalans beendet werden muss. Nur so kann er, der ja von einer Mehrheit der Kurdinnen und Kurden als höchster politischer Vertreter anerkannt wird, seine Aufgabe in einem erneuten Friedensprozess wahrnehmen. Denn Frieden ist das einzig akzeptable Ergebnis. Ich denke weiter, dass er diesen Friedensprozess am erfolgreichsten in Freiheit gestalten kann. Es kann keinen Frieden ohne Freiheit geben. Freiheit für Abdullah Öcalan! Frieden für Kurdistan und den Nahen Osten!

Was bedeuten Krieg oder Frieden in Kurdistan für uns hier in Bremen und für unsere kurdischen Bremerinnen und Bremer?

Ich möchte die Antworten auf diese Frage anhand dreier Themen kurz anschneiden. Der Themen aus dem Namen der Landesarbeitsgemeinschaft Migration, Integration und Antirassismus.

Migration:

Krieg bedeutet neben Mord, Verletzung und sexueller Gewalt auch immer Vertreibung. Im freiheitlichen Frieden müssen Menschen nicht fliehen. Die geflüchteten Menschen, denen danach ist, können zurück. Die Menschen die hier bleiben wollen, weil sie hier jetzt Zuhause sind, müssen nicht weiter in ständiger Angst um ihre Angehörigen, Freundinnen, Freunde und Bekannten leben. Und auch die bis hierher reichende Bedrohung wäre zu Ende. Die Menschen hier können Frieden in sich finden.

Integration:

Auch für die Integration, wobei ich die wechselseitig gedachte Inklusion bevorzuge, also auch für die Inklusion ist der eben beschriebene innere Frieden durch den äußeren Frieden wichtig. Menschen, die in ständiger Bedrohung leben, Menschen die ständig in Angst leben haben es erheblich schwieriger sich auf einen Alltag einzulassen, der uns so scheinbar normal gilt.

Ein weiterer Punkt zur Inklusion:

Ohne einen Friedensprozess, in der eine türkische Regierung eine kurdische Vertretung anerkennt, scheinen deutsche und europäische Politikerinnen und Politiker die Bedürfnisse unserer Kurdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger nicht anzuerkennen. Ihre Vereine und Parteien werden nicht ernst genommen. Manche ihrer Vereine und Parteien werden überwacht, ständig angeklagt oder sind schon dutzende Jahre verboten. Etliche Kurdische und linke solidarische Aktivistinnen und Aktivisten sitzen nicht nur in der Türkei in Gefängnissen – Nein, in unserer Gesellschaft, hier um uns herum, sitzen sie im Knast.

Ohne Friedensprozess scheint es also keine Anerkennung zu geben. Und wenn ich meinen Mitmenschen nicht mit Anerkennung gegenübertrete, kann doch jeder Versuch von Inklusion durch und in unsere Gesellschaft nicht zu einem gleichberechtigten Miteinander führen. Frieden in Kurdistan, gesellschaftlicher Frieden durch Anerkennung in Bremen!

Antirassismus:

Schauen wir doch in die Demokratische Föderation Nordsyrien, schauen wir nach Rojava. Dort können wir uns ankucken, welche Entwicklungen selbstverwaltete Regionen mit emanzipatorischen Programmen nehmen können. Seit fünf Jahren lebt dort unter schwierigen Bedingungen das Experiment einer neuen Gesellschaftsordnung, dem Demokratischen Konföderalismus. Schon die Ausrufung der Föderation 2016 geschah gemeinsam durch kurdische, assyrisch-aramäische, arabische und turkmenische Delegierte. Die administrative Verwaltung erfolgt durch Räte, in denen die jeweiligen ethnischen bzw. religiösen Gruppen der jeweiligen Gebiete vertreten sind. Im demokratischen Konföderalismus gilt die Religionsfreiheit, die Meinungsfreiheit und die Freiheit der Medien. All dies sind keine Garantien für eine automatisch antirassistische Entwicklung einer Gesellschaft, aber es sind einige gute Voraussetzungen. Was in Rojava, im Demokratischen Konföderalismus, die Aussicht auf eine antirassistische Entwicklung dann zusätzlich befördert, ist dass es sich um ein antikapitalistisches Projekt handelt. Der Kapitalismus bedient sich zur Ausbeutung unserer Klasse schon immer des Rassismus, des Nationalismus und anderer Menschenfeindlichkeiten. So fällt in Rojava systembedingt schon eine Quelle des Rassismus weg.

Der Friedensprozess wird den Raum für antirassistische Wege des Miteinanders aufzeigen.

Besonders betonen möchte ich in der Ideologie des Demokratischen Konföderalismus den Kampf für die Rechte der Frauen. Frauen und Männer kämpfen zusammen gegen das Patriarchat und eingebrannte patriarchale Denk- und Handlungsmuster in jedem Menschen. Gemischtgeschlechtliche Doppelspitzen jedes Gremiums, Quotenregelungen für die Räte, Frauen-Selbstverteidigungseinheiten und Frauenprojekte wie eigenen Dörfern als Schutzräumen zeigen die Ernsthaftigkeit im Kampf gegen patriarchale Unterdrückung und Herrschaft. Die befreite Frau ist die Voraussetzung für eine befreite Gesellschaft.

In diesem Sinne:

Freiheit für Öcalan!

Frieden für Kurdistan!

Biji berxwedana Rojava!

Hoch die Internationale Solidarität!"