15. Juni 2017

Neue Stele für den Erdbunker Nähe Zentaurenbrunnen - Nie wieder Krieg!

Am 13.VI. nachmittags fanden sich ca. 60 Leute in der Grünanlage Buntentorstraße/Wulfhopstraße (Leibnizplatz) zur Erneuerung einer Gedenktafel ein. Als eine Bombe am 13.06.1943 den dort befindlichen Bunker traf, kostete dies 66 Tote, 33 Verletzte und 15 Vermisste. Im Rahmen der Hochzeit der Friedensbewegung, initiiert durch unsere Kameradin Inge Breidbach und Pastor Hans-Günther Sander, wurde dort 1986 eine Gedenktafel installiert, die inzwischen leider kaum noch lesbar war. Deshalb haben Horst Otto, der Beirat Neustadt, „Erinnern für die Zukunft“ und viele andere dafür gesorgt, daß eine neue Gedenktafel im Zug des Erinnerungspfades Neustadt errichtet wurde.

Eingeleitet und moderiert wurde die Veranstaltung von Horst Otto: Nach der Darstellung der früheren Ereignisse schlug er einen Bogen zu heutigen Kriegsgefahren. Hans-Günther Sander erzählte, daß seine beiden Vornamen nach gefallenen Onkeln gewählt worden waren, und betonte die Rolle der Liebe für eine Weltverbesserung. Ortsamtsleiterin Annemarie Czichon las sehr einfühlsam eine Passage aus dem Tagebuch ihrer Mutter, die einen ähnlichen Bombenabwurf überlebt hatte. Enthüllt wurde die Tafel auf einem Granitblock von Annemarie Czichon und Hans-Günther Sanders. Abgerundet wurde die Feierstunde durch christliche Lieder, dargeboten von vier Afrikanern. Anschließend lud Pastor Thomas Lieberum zu Kaffee, Tee und Butterkuchen in die Zionsgemeinde. Dort konnte ich auch Frau Czichon darauf hinweisen, daß die beiden Tafeln des „Arbeitskreises Geschichtspfad Langemarckstraße“ - ein weiteres Projekt von Inge - in derselben arg beschmiert sind und gereinigt werden müssen.
Hartmut Stinton
 

Neue Stele für den Erdbunker Nähe Zentaurenbrunnen

Aus der Rede von Horst Otto vom Verein „Erinnern für die Zukunft“:

„Die Denk-Orte Initiative Neustadt, der Beirat Neustadt und der Verein „Erinnern für die Zukunft“ haben eingeladen, um an diesem Ort ein wichtiges Zeichen für Frieden und Abrüstung zu setzen – genau genommen, ein Zeichen, das an diesem Ort seit mehr als 30 Jahren existiert, zu erneuern!

Es war die Friedensbewegung der 80er Jahre, die sich gegen die Stationierung von atomar bestückten NATO-Raketen vom Typ Persing-II und Cruise Missile auf deutschem Boden sowie sowjetische SS20 Mittelstreckenraketen zur Wehr setzte. Hans-Günter Sanders, damals aktiver Pastor der Zions-Gemeinde, hat in dieser Bewegung aktiv mitgewirkt und gemeinsam mit Inge Breitbach, einer Nachbarin aus der Hermannstraße, die Initiative zur Installation der bisher hier sichtbaren Gedenktafel ergriffen.

Der Hintergrund für die Gedenktafel an diesem Denk-Ort ist schnell erzählt:

Am 13. Juni 1943 traf eine Bombe eines alliierten Fliegers hier im Park einen Erdbunker. Es war der 122. Angriff auf das Zentrum von Bremen, der zu einem Volltreffer mit 66 Toten, 33 Verletzten und 15 Vermissten führte.

Insgesamt wurden 173 Fliegerangriffe auf Bremen registriert. 25.000 Tonnen Bomben und Granaten wurden auf die Stadt abgeworfen. Fragt man nach den Ursachen für diese Angriffe, findet man folgende Antworten:

Die deutsche Luftwaffe hat zahlreiche europäische Städte mit Bombenterror verwüstet. Begonnen hat alles mit der Zerstörung der Stadt Guernica 1936 bereits vor der Kriegserklärung gegen Polen am 1. September 1939. Das Bombardement deutscher Städte durch die Alliierten kann auch als Vergeltung gesehen werden und zielte auf die Demoralisierung der Bevölkerung.

Das Hauptmotiv für die alliierten Luftschläge war sicher die Bedeutung Bremens als Knotenpunkt der deutschen Kriegsmaschine. Häfen, Bahnanlagen und Brücken wurden gezielt zerbombt, um die deutsche Militärmacht zu schwächen. Ebenso die Rüstungsproduktion: In Vegesack der Bunker Valentin mit seiner U-Boot-Produktion. Hier in der Neustadt z.B. die Focke-Wulf-Flugzeugwerke.

Eine Lehre aus diesen Ereignissen sollte sein: Kriegslogistik und Rüstungsbetriebe ziehen im Kriegsfall Bomben an, wie das Licht die Motten! …..

Annemarie Czichon

Seit Jahrzehnten unterstützen die Mitglieder des Beirates Neustadt und das Ortsamt die Aktivitäten der Friedensbewegung in unserem Revier. So wurde auch die Einweihung der bisherigen Gedenktafel durch den damaligen Leiter des Ortsamtes, Herrn Rosebrock, aktiv gefördert.

Auch in der heutigen Zeit kann sich die örtliche Bevölkerung auf das Engagement des Beirats und des Ortsamtes für eine friedliche Entwicklung verlassen. Diese aktive Unterstützung führt in unserem Revier zwischen Huckelriede und Leibnizplatz zu einem Pfad der Erinnerung, der mit zahlreichen Denk-Orten eine nachhaltige Erinnerungskultur entwickelt. Auch die Erneuerung der bisherigen Gedenktafel wurde mit einem einstimmigen Beschluss des Finanzausschusses zur Freigabe von finanziellen Mitteln ermöglicht.

Wir freuen uns, dass wir jetzt Annemarie Czichon, Leiterin des Ortsamtes Neustadt, begrüßen dürfen……
…Lieder von Raffael Olabisi und Begleitung …

Zeit, danke zu sagen

Frieden!
Dass endlich Frieden ist – und keine Barbarei!

Diesen abschließenden Satz einer Theatervorstellung zu „Krieg und Frieden“ nach der Vorlage von Lev Tolstoi konnten wir vor wenigen Tagen in der Schwankhalle vernehmen.

Dass endlich Frieden ist, hängt sicher vom Willen der Menschen ab.

Von der bemerkenswerten Unterstützung des Beirates und des Ortsamtes Neustadt habe ich bereits gesprochen. An dieser Stelle nochmals vielen Dank dafür. Ebenso gehört unser Dank dem „Verein Erinnern für die Zukunft e.V.“, der mit seinen Möglichkeiten und seiner Vernetzung in der Stadt die Arbeit der Denk-Orte-Initiative hier im Revier nach Kräften unterstützt und mit seiner Kompetenz wichtige Denkanstöße gibt. Ebenso bedanken wir uns bei den Akteuren der Internetplattform „spurensuche.de“ für deren akribische Arbeit. Mit dieser Plattform haben Menschen, die sich intensiver mit den Themen rund um die Naziherrschaft befassen wollen, einen guten Einstieg in das Geschehen in unserer Stadt.

Ohne Menschen, die sich nach Kräften ehrenamtlich einsetzen, wäre die Entwicklung unserer Denk-Orte nicht möglich. Sei es das Mahnmal an der Hindenburg Kaserne, das auf Initiative der dort ansässigen Freiwilligen Feuerwehr am 30. Januar 2016 der Öffentlichkeit übergeben wurde. Sei es die Stele am „Roten Haus“, sei es die Gedenktafel am Isenbergheim, sei es die in Vorbereitung befindliche Stele für den Zwangsverkauf jüdischen Eigentums in der Vohnenstraße oder auch die Erneuerung der Gedenktafel an diesem Ort – ohne Menschen, die die historischen Fakten zusammentragen und die technischen Fragen klären, wäre das nicht möglich. An dieser Stelle nochmals vielen Dank dafür!

Besonders freut uns auch die Unterstützung durch das WIN-Forum Huckelriede und die enge Kooperation mit der Jugendbildungsstätte LidiceHaus und der Wilhelm-Kaisen-Schule. Diese Entwicklung gibt uns die Motivation, mit faktenbasiertem Wissen zur Meinungsbildung junger Menschen beizutragen!

Seit Jahren wissen wir auch die Zionsgemeinde auf der Seite der Friedensbewegung. Wir freuen uns besonders, dass Pastor Thomas Lieberum die hier Versammelten jetzt im Gemeindezentrum Zion zum Gedankenaustausch bei Kaffee und Kuchen einlädt! Das ist sicher auch eine gute Gelegenheit, sich auf die Großdemonstration der Friedensbewegung am 8. Juli in Hamburg vorzubereiten.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!“

Quelle: http://www.dielinke-bremen-linksderweser.de/politik/aktuelles/detail/artikel/neue-stele-fuer-den-erdbunker-naehe-zentaurenbrunnen-nie-wieder-krieg/