28. Mai 2017

Bericht von der VA: Für eine Welt ohne Prostitution – Gegen sexuelle Ausbeutung und Gewalt am 17.5.2017

Die Veranstaltung im barrierefreien „Kwadrat“  im Martinsclub an der Haltestelle Wilhelm Kaisen Brücke war eine Fortsetzung der VA des Kreisverbandes DIE LINKE LdW vom 19.05.2016 im Neustädter „Kuss Rosa“ auf der Manuela Schon über die sozialen, psychischen und gesamtgesellschaftlichen Folgen der Prostitution referierte. Nach Protesten von Mitgliedern des Kreisverbandes und Mitgliedern der Bürgerinitiative gegen Bordellbauten (z.B. das genehmigte Großbordel in der Neustädter Duckwitzstraße) und gegen sexuelle Ausbeutung stand der Zusammenhang zwischen Menschenhandel und Prostitution an diesem Abend im Focus der Diskussion.

Manuela Schon (Wiesbaden, Netzwerk Abolition 2014) trägt als Sozialwissenschaftlerin ihre Recherche- Ergebnisse zu Menschenhandel und Prostitution in Form einer Power Präsentation vor. Nicole Dreke -mitte (Mitarbeiterin der Bremer Beratungsstelle für Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostituition) berichtet aus der Praxis ihrer Beratungsarbeit.

Am Anfang der Diskussionsveranstaltung im „Kwadrat“ stand ein faktenreicher Vortrag von Manuela Schon. Dabei gab es so viel Wissenswertes. Interessant war ihre Recherche im Bremer Milieu und deren Verflechtungen mit der Rocker- oder NPD Szene. Schockierend auch, dass wegen Menschenhandel, Zuhälterei oder ähnlicher Delikte Verurteilte weiterhin als Bordellbetreiber etc. agieren. Leider wurde in dem breit gefächerten Vortrag von Manuela Vieles nur kurz erwähnt und nicht vertieft. (siehe Power Point Präsentation im Anhang). 

Thea Kleinert vom Kreisvorstand DIE LINKE. Links der Weser und Mitglied im „Bremer Bündnis gegen Bordelle“  hatte im Vorfeld der Veranstaltung Anfragen zur Prostitution und Menschenhandel in Bremen an den Senat gestellt und die schriftlichen Antworten vorgetragen. Mit der Prostitution wird viel Geld verdient, (und so gibt es natürlich auch eine starke Interessenvertretung) allein in Deutschland über 14 Milliarden, aber vieles gerät in die Hände von Kriminellen.

Eine Legalisierung der Prostitution führt immer zu mehr Menschenhandel und somit zu mehr Kriminalität. Für die Prostituierten selbst bleibt in der Regel wenig übrig. Den Großteil streichen Vermieter mit Wuchermieten, Bordellbetreiber, Zuhälter ein.  Aber auch Drogenhändler, Schönheitschirurgen etc. sind Nutznießer. Unter dem Strich entstehen der Gesellschaft durch die Ausübung der Prostitution hohe Kosten, denn Prostituierte leiden oft an einer posttraumatischen Belastungsstörung, an einer Dissoziationsstörung, an körperlichen und gesundheitlichen Einschränkungen und werden oft arbeitslos. Auch vor der Prostitution hatten Prostituierte schon in der Mehrheit Gewalterfahrungen. 

Gehandelte Frauen aus dem Ausland sind aus Betreibersicht profitabler, da sie "unfreier" sind, die Sprache nicht können, ihnen der Pass weggenommen wurde, ihnen überhöhte Reisekosten in Rechnung gestellt wurden, sie erpressbar sind. So kann man mehr Gewinn erzielen. Da wo die Nachfrage nach schnellem, günstigem und hartem Sex am höchsten ist, leben Frauen am ehesten in sklavenähnlichen Zuständen. Bezeichnend für den Gewaltcharakter der Prostitution ist auch die Tatsache, dass Pornographie - was nichts anderes als gefilmte Prostitution ist - vom Militär eingesetzt wird, damit Soldaten leichter töten können.

Durch Prostitution wird ein ungleiches und konservatives Menschenbild weiter propagiert. Frauen sind dazu da, die Bedürfnisse von Männern zu erfüllen, ihrem Machtanspruch zu genügen. Sie werden nicht als gleichwertig angesehen, sondern auf ihren Körper reduziert. Emanzipation gilt als "unnatürlich". Deshalb muss auch eine in leitender Funktion tätige Frau jegliche sexuelle Konnatation in ihrer Erscheinung vermeiden.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt. Manuela  Schon hat profundes Wissen, wie man dann in der anschließenden Diskussion sah.

Nicole Dreke von der Bremer Beratungsstelle für Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostituition berichtet aus der Praxis ihrer Beratungsarbeit und den Schwierigkeiten den Opfern von Prostitution und Menschenhandel die notwendige Unterstützung zu leisten. Neben der unzureichenden materiellen Ausstattung der Beratungseinrichtung (2 halbe befristete Stellen) ist der juristische Opferschutz unzureichend. Häufig sind migrantische Frauen, die über Menschenhändler in der Prostitution landen, von Abschiebung bedroht. Gleichzeitig ist ihre neutrale Beratungsarbeit, mit viel empathischer vertraulicher Kommunikation durch den Druck der Ermittlungsbehörden gefährdet.
Trotz ihrer Erfahrungen  mit den Opfern von Menschenhandel widersetzte in der anschließenden Diskussion sich Nicole Dreke der Forderung von Manuela Schon nach dem nordischen Modell zur gesellschaftlichen Überwindung von Prostitution.  Der von Maunela Schon benannte enge Zusammenhang zwischen gesetzlicher Liberalisierung der Prostitution in Deutschland der Ausweitung des Prostituitionsmarktes und zunehmenden Menschenhandels wurde von ihr nicht anerkannt.

Den anwesenden Befürwortern von Prostitution (u.a. Nitritbit Vertreterinnen) wurden an dem Abend faktenreiche Argumente entgegen gestellt. Wie schon bei früheren Diskussionen werden aus diesem Spektrum Fakten und empirische Erfolge des nordischen Modells negiert. Eine Vision „einer Welt ohne Prostitution“ ist für sie nicht wünschenswert und vorstellbar. Bei der Bewertung des richtigen Weges  der Verteidigung der sozialen und Menschenrechte von Menschen in der Prostitution  gehen die politischen Standpunkte noch weit auseinander.  Die Kontroverse über anstrebenswerte Menschenbilder und Gesellschaftsentwürfe, jenseits von patriarchalen und sexistischen Herrschaftsstrukturen  geht auch nach dieser Diskussion weiter.

Quelle: http://www.dielinke-bremen-linksderweser.de/politik/aktuelles/detail/artikel/bericht-von-der-va-fuer-eine-welt-ohne-prostitution-gegen-sexuelle-ausbeutung-und-gewalt-am-17/